SCHWERPUNKTE

ERÖFF­NUNGS­BE­SCHLUSS











Das In­sol­venz­er­öff­nungs­ver­fah­ren en­det mit der Ent­schei­dung des In­sol­venz­ge­richts ü­ber die Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­­fahrens. Die Ent­schei­dung er­geht, nach­dem der Sach­ver­stän­di­ge sein Gut­ach­ten bei Ge­richt ein­ge­reicht hat. Zen­tra­le Vor­aus­setz­ung für die Er­öff­nung des In­sol­venz­ver­fahr­ens ist das Vor­lie­gen ei­nes Er­öff­nungs­grun­des. Das Ge­setz kennt in §§ 17-19 InsO je nach Rechts­form des Schuld­ners und Per­son des An­trag­stel­lers fol­gen­de Er­öff­nungs­grün­de, die in Abs. 2 der Vor­schrif­ten je­weils nä­her de­fi­niert wer­­den:

  • Zahlungsunfähigkeit

  • Drohende Zahlungsunfähigkeit

  • Überschuldung


Haupt­ver­fah­ren

Das sich an­schlie­ßen­de Haupt­ver­fahr­en dient der Be­frie­di­gung der Gläu­bi­ger durch best­mög­lich­e Ver­wert­ung des Schuld­ner­ver­mö­gens. Die In­sol­venz­ord­nung stellt da­zu im We­sent­li­chen die In­stru­men­te der Re­strukt­ur­ier­ung des Un­ter­nehm­ens­trä­gers durch ei­nen In­sol­venz­plan, der ü­ber­tra­gen­den Sa­nier­ung so­wie der Li­qui­da­tion der ein­zel­nen Ver­mög­ens­ge­gen­stän­de zur Ver­fü­gung.


Vorläufige Fortführung / Inbesitznahme der Masse

Zu Be­ginn des In­sol­venz­ver­fahr­ens nimmt der In­sol­venz­ver­wal­ter das Schuld­ner­ver­mö­gen in Be­sitz und er­stellt Ver­zeich­nis­se ü­ber die vor­han­de­nen Mas­se­ge­gen­stän­de so­wie Gläu­bi­ger des Schuldner­un­ter­neh­mens. Aus die­sen An­ga­ben fer­tigt er an­schließ­end ei­ne Ver­mög­ensü­ber­sicht. So­weit ding­lich­e Rech­te Drit­ter be­ste­hen, die zur (Er­satz-) Aus­son­der­ung ge­mäß §§ 47, 48 InsO be­recht­i­gen, wer­den die­se be­reits in die­sem Ver­fahr­ens­sta­dium er­füllt. Der In­sol­venz­ver­wal­ter führt ei­nen lau­fen­den Ge­schäfts­be­trieb im Re­gel­fall zu­min­dest bis zur ers­ten Gläu­bi­ger­ver­samm­lung fort und lei­tet die Sa­nier­ung des Un­ter­neh­mens ein. Auf die­se Wei­se wird den Gläu­bi­gern die Mög­lich­keit er­hal­ten, die Sa­nier­ung des Schuld­ner­un­ter­neh­mens als Ver­fahr­ens­ziel vor­zu­geben, um ent­we­der eine Rest­rukt­ur­ier­ung des Un­ter­neh­mens­trä­gers o­der ei­ne ü­ber­tra­gen­de San­ier­ung an­zu­stre­ben.


Berichtstermin

Die durch den In­sol­venz­ver­wal­ter er­stell­ten Ver­zeichn­is­se wer­den zur Ein­sicht­nah­me für die am In­sol­venz­ver­fahr­en Be­tei­lig­ten auf der Ge­schäfts­stel­le des In­sol­venz­ge­richts aus­ge­legt. Dies dient der in­for­ma­ti­ven Vor­be­reit­ung der Ver­fahr­ens­be­tei­lig­ten auf die ers­te Gläu­bi­ger­ver­samm­lung (sog. Be­richts­ter­min), die in­ner­halb von sechs Woch­en nach Ver­fahr­ens­eröff­nung statt­fin­den soll und in­ner­halb von drei Mo­na­ten statt­fin­den muss. Die­se Gläu­bi­ger­ver­samm­lung ist für den wei­ter­en Ver­fahr­ens­ab­lauf von be­son­der­er Be­deut­ung, weil in ihr zen­tra­le Wei­chen­stell­un­gen für das Ver­fahr­en ge­trof­fen wer­den. In­ner­halb des Ter­mins be­richt­et der In­sol­venz­ver­wal­ter ü­ber die wirt­schaft­lich­e La­ge des Un­ter­neh­mens und die Ur­sach­en der In­sol­venz. Er hat da­bei auch auf die Sa­nier­ungs­fäh­ig­keit des Schuld­ner­un­ter­neh­mens und die Er­folgs­aus­sich­ten ver­schie­de­ner Sa­nier­ungs­in­stru­men­te (In­sol­venz­plan / ü­ber­tra­gen­de Sa­nier­ung) ein­zu­ge­hen. Auf die­ser Grund­la­ge ist es Auf­gabe der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung, ü­ber Zie­le und Mit­tel der Ver­fahr­ens­durch­führ­ung zu ent­schei­den. Ins­be­son­der­e kann die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung dem In­sol­venz­ver­wal­ter vor­ge­ben, das Un­ter­neh­men auch wei­ter­hin vor­läu­fig fort­zu­führ­en und ei­nen In­sol­venz­plan mit dem Ziel der Re­struk­tu­rier­ung des Schuld­ner­un­ter­neh­mens zu er­stel­len.


Verwertung der Masse

Im An­schluss an die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung lei­tet der In­sol­venz­ver­wal­ter un­ter Be­acht­ung der Vor­ga­ben der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung die Ver­wert­ung des Schuld­ner­ver­mög­ens ein. So­weit nicht das be­son­de­re In­sol­venz­plan­ver­fahr­en ge­wählt wird, kom­men le­dig­lich ei­ne ü­ber­tra­gen­de Sa­nier­ung oder die Ein­zel­li­qui­da­tion der Ver­mög­ens­ge­gen­stän­de in Be­tracht. Ü­ber­tra­gen­de Sa­nier­ung be­deu­tet, dass ein Schuldner­un­ter­neh­men in der Hand ei­nes an­der­en Ver­mö­gens­trä­gers er­hal­ten wird, in­dem die we­sent­lich­en As­sets auf ein an­der­es Un­ter­neh­men ü­ber­tra­gen und ein Teil der Ar­beit­neh­mer von die­sem zum Zwec­ke der Be­triebs­fort­führ­ung ü­ber­nom­men wer­den. Ei­ne Re­strukt­u­rier­ung des Un­ter­neh­mens­trä­gers kommt aus­schließ­lich im In­sol­venz­plan­ver­fahr­en in Be­tracht.


Prüfungstermin

Pa­ral­lel zur Ver­wert­ung des Schuld­ner­ver­mö­gens fin­det ei­ne wei­te­re Gläu­bi­ger­ver­samm­lung statt, der sog. Prü­fungs­ter­min. In­ner­halb die­ses Ter­mins wer­den For­der­un­gen der­je­ni­gen In­sol­venz­gläu­bi­ger, die die­se zu­vor beim In­sol­venz­ver­wal­ter an­ge­mel­det ha­ben, auf ih­re Be­rech­ti­gung hin ge­prüft. Die In­sol­venz­ord­nung sieht hier­für in §§ 174 ff. InsO ein be­sond­er­es Ver­fahr­en vor. In­ner­halb des ge­richt­lich be­stimm­ten Prüf­ungs­ter­mins steht so­wohl dem In­sol­venz­ver­walt­er als auch den In­solv­enz­gläu­bi­gern ein Wi­der­spruchs­recht ge­gen an­ge­mel­dete Ford­er­un­gen zu. Dann gibt es zwei mög­li­che We­ge: Wird ein der­art­i­ger Wi­der­spruch nicht er­ho­ben, gilt die For­der­ung für das In­sol­venz­ver­fahr­en als fest­ge­stellt, d.h. die Ford­er­ung nimmt an ei­ner Aus­schütt­ung von Ver­wert­ungs­er­lös­en auf In­sol­venz­ford­er­ung­en teil.

Wird hin­ge­gen Wi­der­spruch durch ei­nen Be­recht­ig­ten er­ho­ben, muss ü­ber das Be­ste­hen der Ford­er­ung in­ner­halb ei­nes ge­richt­lich­en Fest­stell­ungs­ver­fahr­ens ent­schie­den wer­den. Ex­ist­iert zum Zeit­punkt der In­sol­venz­ver­fahr­ens­er­öff­nung be­reits ein voll­streck­ba­rer Tit­el des an­meld­en­den Gläu­bi­gers, so ob­liegt es dem Wi­der­spruchs­führ­er, sei­nem Wi­der­spruch ge­richt­lich Gelt­ung zu ver­schaf­fen. Fehlt ein sol­cher Ti­tel, ob­liegt es dem an­meld­end­en Gläu­bi­ger, die Fest­stell­ung zur In­sol­venz­ta­bel­le durch ei­ne Fest­stell­ungs­kla­ge her­bei­zu­führ­en. Ne­ben dem In­sol­venz­ver­walt­er und den In­sol­venz­gläu­bi­gern räumt die In­sol­venz­ord­nung auch dem In­sol­venz­schuld­ner ein Wi­der­spruchs­recht ein. Dies hat zwar auf das In­sol­venz­ver­fahr­en selbst kei­nen Ein­fluss. Der In­sol­venz­schuld­ner kann a­ber durch ei­nen Wi­der­spruch ver­hind­ern, dass der an­mel­den­de Gläu­bi­ger nach Ab­schluss des In­sol­venz­ver­fahr­ens ge­gen ihn aus ei­nem voll­streck­ba­ren Aus­zug aus der In­sol­venz­ta­bel­le un­mit­tel­bar die Zwangs­voll­streck­ung be­trei­ben kann (§ 201 Abs. 2 InsO).

Wicht­ig: In­sol­venz­forder­ung­en, die nicht in­ner­halb der ge­richt­lich ge­setz­ten Frist zur For­der­ungs­an­meld­ung an­ge­meld­et wor­den sind, sind nicht von der Be­rück­sich­tig­ung im In­­sol­venz­ver­fahr­en aus­ge­schlos­sen. Die Gläu­bi­ger kön­nen ihre Ford­er­ung­en al­so auch nach­träg­lich beim In­sol­venz­ver­walt­er an­mel­den, dies soll­te al­ler­dings mög­lichst kurz­fris­tig nach dem ers­ten Prü­fungs­ter­min er­fol­gen. Die Prü­fung nach­ge­mel­de­ter Ford­er­un­gen fin­det in wei­ter­en Prüf­ungs­ter­min­en statt, für die die o­bi­gen Aus­­führ­un­gen ent­sprech­end gel­ten. Zu ei­nem wei­ter­en Prüf­ungs­ter­min wer­den die nach­träg­lich an­meld­end­en Gläu­bi­ger, der In­sol­venz­ver­wal­ter und der In­sol­venz­schuld­ner be­sond­ers ge­la­den. Für einen nachträglichen Prüfungstermin können für den anmeldenden Gläubiger Gebühren entstehen.

Das In­sol­venz­ge­richt kann al­ter­na­tiv die Prüf­ung nach­ge­meld­et­er For­der­un­gen im schrift­lich­en Ver­fahr­en an­ord­nen. In die­sem Fall ord­net das In­sol­venz­ge­richt ei­ne Aus­schluss­frist an, in der der In­sol­venz­schuld­ner, der In­sol­venz­ver­wal­ter und an­de­re In­sol­venz­gläu­bi­ger von ihr­em Wi­der­spruchs­recht Ge­brauch mach­en kön­nen. Der Wi­der­spruch ist an das In­sol­venz­gericht zu rich­ten. Wi­der­sprü­che, die nach Ab­lauf der Aus­schluss­frist beim In­sol­venz­ge­richt ein­ge­hen, blei­ben undberücksichtigt und damit wirkungslos.


Vorrangige Gläubiger

In der In­sol­venz­ord­nung wird ei­ne Rang­fol­ge der Gläu­bi­ger festgelegt. Im An­schluss an die Ver­wert­ung des Schuld­ner­ver­mö­gens fin­det dann die Be­frie­dig­ung der Gläu­bi­ger an­hand e­ben die­ser Rang­fol­­ge statt. An ers­ter Rang­stel­le wer­den ding­lich ge­sich­er­te Gläu­bi­ger im Rah­men der ab­ge­son­der­ten Be­frie­di­gung ge­mäß § 49-51 InsO be­frie­digt, d.h. der Ver­wert­ungs­er­lös aus Ge­gen­stän­den, an de­nen Ab­son­der­ungs­rech­te be­ste­hen, wird vor­rang­ig an die ge­sich­er­ten Gläu­bi­ger aus­ge­kehrt. Aus der ver­blei­bend­en In­sol­venz­mas­se wer­den pri­mär Mas­se­gläu­bi­ger i.S.v. §§ 54, 55 InsO be­dient. So­fern nach Be­frie­di­gung der vor­rang­i­gen Gläu­bi­ger Ver­wert­ungs­er­lö­se ver­blei­ben, ste­hen die­se zur Be­frie­di­gung der In­sol­venz­gläu­bi­ger gem. §§ 38, 39 InsO zur Ver­füg­ung.


Schlusstermin

Zum Ab­schluss des Ver­fahr­ens be­raumt das In­sol­venz­gericht ei­ne wei­te­re Gläu­bi­ger­ver­samm­lung an, den so ge­nann­ten Schluss­ter­min. Der In­sol­venz­ver­wal­ter stellt zur Vor­bereit­ung des Schluss­ter­mins ein Ver­teil­ungs­ver­zeich­nis auf, in dem al­le In­sol­venz­for­der­un­gen ent­hal­ten sind, die bei der ab­schliess­en­den Ver­teil­ung der noch ver­blie­be­nen Mas­se be­rück­sich­tigt wer­den sol­len. Das Ver­zeich­nis wird auf der Ge­schäfts­stel­le zur Ein­sicht der Be­tei­lig­ten nie­der­ge­legt. Im Schlusstermin kön­nen Ein­wen­dun­gen ge­gen das Schluss­ver­zeich­nis er­ho­ben wer­den, ü­ber die das Ge­richt be­fin­det. Da­rü­ber hin­aus legt der In­sol­venz­ver­wal­ter ei­nen Schluss­be­richt ü­ber sei­ne Tä­tig­keit und die Ent­wick­lung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se vor, der in­ner­halb des Schluss­ter­mins er­ör­tert wird.


Ausschüttung

Stimmt das In­sol­venz­ge­richt der vor­ge­se­he­nen Schluss­ver­tei­lung zu, er­folgt die Aus­schüt­tung der ver­blie­ben­en Ver­wert­ungs­er­lö­se an die In­sol­venz­gläu­bi­ger ge­mäß § 38 InsO. Die­se kön­nen in der Re­gel nur quota­le Be­frie­di­gung ihr­er An­sprü­che er­war­ten. Auf nach­ran­gi­ge In­sol­venz­gläu­bi­ger i.S.v. § 39 InsO, die For­der­un­gen zur In­sol­venz­ta­bel­le nur bei be­son­der­er Auf­ford­er­ung des Ge­richts an­mel­den kön­nen, ent­fällt re­gel­mäß­ig kei­ne Quo­te.


Aufhebungsbeschluss

Der letz­te Schritt: Nach Voll­zug der Schuss­ver­tei­lung wird das In­sol­venz­ver­fahr­en durch ge­richt­li­chen Be­schluss auf­ge­ho­ben. Da­mit ist das Amt des In­sol­venz­ver­wal­ters of­fi­ziell be­en­det.

Insolvenzgläubiger, der­en An­sprü­che nicht voll­stän­dig be­frie­digt wor­den sind, kön­nen vor­be­halt­lich ei­ner Rest­schuld­be­frei­ung des Schuld­ners ge­mäß §§ 286 ff. InsO o­der an­der­wei­ti­ger Ver­ein­bar­un­gen in­ner­halb ei­nes In­sol­venz­plans wie­der ge­gen den Schuld­ner vor­ge­hen. Da­bei dient die In­sol­venz­ta­bel­le als Voll­strec­kungs­ti­tel, so­weit die For­der­ung des Gläu­bi­gers fest­ge­­stellt und nicht vom Schuldner Wi­der­spruch er­ho­ben wor­den ist.